Elf Monate im Jahr führe ich ein beschauliches Leben. Aber im November ist es vorbei mit der Ruhe. Dann rücken helfende Hände an, stellen mich an meinem Stammplatzerl bei der U1-Station Kaisermühlen auf, verlegen Kabel, sorgen für Strom, putzen, räumen ein, schmücken mich mit Lichterketten und Weihnachtsschmuck. Dann weiß ich: Jetzt geht’s wieder los!

Seit genau 25 Jahren gehört die Punschhütte des Vereins Pflegehospiz Kaisermühlen hier zum Advent einfach dazu. Mich selbst gibt es erst seit zwei Jahren. Meine Vorgängerin hat aber schon ganze Arbeit geleistet: Generationen von Freiwilligen haben hinter ihrem Tresen ausgeschenkt und wahrscheinlich noch viel mehr Generationen von Gästen davor ihre Häferln geleert. Ein bisschen Verantwortung ist das schon.

Endlich wieder Punschzeit

Am Eröffnungstag bin ich jedes Jahr ein bisschen aufgeregt. Wobei: Eigentlich sind es die Menschen rund um mich, die voller Vorfreude sind. „Schön, dass ihr wieder da seid!“ hören meine freiwilligen HelferInnen dann sagen. Und natürlich lautet die wichtigste Frage: „Wie lange habt ihr heuer offen?“

Viele liebgewonnene Stammgäste schauen vorbei, manche haben sogar ihren Stammplatz. Andere kommen zum ersten Mal. Manche verabreden sich gezielt auf einen Punsch, manche kommen allein, weil sie wissen, dass sie hier Gesellschaft finden. Wieder andere wollen nach der Arbeit eigentlich nur kurz vorbeischauen – und bleiben dann doch etwas länger.

Vier Stunden ist jeden Tag geöffnet. Hinter meiner Budl steht täglich ein anderes Zweierteam aus freiwilligen MitarbeiterInnen. Sie schenken aus, füllen nach, plaudern, lachen und sorgen dafür, dass sich unsere Gäste wohlfühlen. Ohne sie wäre ich schließlich nur das, was ich streng genommen bin: eine Holzhütte.

Punschhütte mit Nebenjobs

Nach Weihnachten verschwinde ich aber nicht ganz von der Bildfläche. Mein Zuhause für den Rest des Jahres ist bei der SV Donau – und auch dort werde ich manchmal gebraucht. Mal werde ich zur zusätzlichen Getränkehütte, mal übernehme ich andere Aufgaben. Beim Bandfußballcup zugunsten der Wiener Frauenhäuser und White Ribbon durfte ich kürzlich wieder als Tombolahütte mithelfen. Sogar während meiner eigentlichen Hochsaison bin ich für einen guten Zweck schon „fremdgegangen“: beim „Orange Run“ im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen Gewalt an Frauen. Für die gute Sache muss man flexibel bleiben.

Und dann wäre noch meine Vorgängerin. Die steht ebenfalls bei der SV Donau und denkt noch nicht an Pension. So treffen sich dort gelegentlich zwei Generationen „Kaisermühlner Punschhütte“ und stehen friedlich nebeneinander.

Jetzt wird’s Weihnachten

Mein persönliches Highlight kommt jedes Jahr mit dem Weihnachtsmann. Wenn er musiziert, sich immer mehr Menschen versammeln, Kinderaugen leuchten und selbst Leute, die nur vorbeigehen wollten, stehen bleiben, sogar mitsingen, wird es besonders. Spätestens dann weiß ich: Jetzt ist Weihnachten.

Beim Punschtrinken, Plaudern und Zusammensein geht es aber noch um etwas anderes. Mein Reinerlös unterstützt die Arbeit für ältere, pflegebedürftige Menschen in Kaisermühlen. Leute zusammenbringen und dabei Gutes tun – dafür stehe ich jedes Jahr wieder gerne an meinem Stammplatzerl. Und ihr hoffentlich auch!

Eure Kaisermühlner Punschhütte